Inzuchtdepression ist die Reduktion der Leistung (Krankheitsanfälligkeit bei einem höheren Inzuchtkoeffizienten in der Population) von ingezüchteten Populationen.

Sie tritt besonders in eingegrenzten Lebensräumen auf, in denen die genetische Variabilität einer Population eingeschränkt ist und ggf. ein genetischer Flaschenhals vorliegt. Dies ist unter anderem bei kleinen Tierpopulationen auf Inseln ihres Lebensraumes der Fall, die keinen Austausch mit anderen Inseln erlauben.

In solchen Populationen können vermehrt Erbkrankheiten auftreten, siehe dazu auch Erbkrankheiten in endogamen Populationen.
Erbkrankheiten in endogamen Populationen sind ein Phänomen in der Populationsgenetik. Sie treten in Populationen mit relativ kleiner effektiver Größe auf, die sich aufgrund verschiedener Umstände wenig bis gar nicht mit anderen Populationen vermischen, und sind eine Form der Inzuchtdepression.

Inzuchtdepression kann ebenfalls eine Folge von Zuchtprogrammen sein, bei denen immer wieder die gleichen ausgesuchten Pflanzen oder Elterntiere zur Zucht eingesetzt werden (z. B. Championzucht bei Rassehunden).

Aufgrund der Unteilbarkeit des Erbgutes auf der Ebene der einzelnen Allele kommt es zum Verlust von Allelen aus dem Genpool, die genetische Vielfalt und damit auch die effektive Populationsgröße reduzieren sich nach und nach. Es entsteht aufgrund der genetischen Einheitlichkeit der Population Inzucht auch zwischen nicht näher verwandten Paaren.

Die Population kann degenerieren und anfälliger für Krankheiten werden. Unter bestimmten Bedingungen kann auch bei fortgesetzter Inzucht die Inzuchtdepression überwunden werden. Dieses Phänomen bezeichnet man als Purging.

Was fangen wir nun aber mit den berechneten Werten an?

Alleine sagen die Werte nicht viel, aber generell gilt: Der Inzuchtkoeffizient sollte so gering wie möglich und der Ahnenverlustkoeffizient so gross wie möglich sein. Ein nicht ingezüchtetes Tier hat demnach einen Inzuchtkoeffizienten von 0% und einen Ahnenverlustkoeffizient von 100%. Da es keine gesetzlichen Vorgaben für die Tierzucht gibt, ist es jedem Züchter bzw. nach der Zuchtordnung des jeweiligen Rassehundezuchtverbandes überlassen, bis zu welchen Werten die Inzucht ausgeweitet werden kann.

In der Hundezucht liegen beispielsweise die empfohlenen Grenzwerte bei 10% IK und einem AVK von 75%. Laut Literatur tritt Inzuchtdepression, je nach Grundinzuchtgrad der Linie bereits ab 20% IK auf. Dies liegt vor allem an der schon bereits vorhandenen Inzucht, die je nach Rasse unterschiedlich ist. So stammen einige Rassen von beispielsweise nur zwei oder drei Vorfahren ab. Vor allem wenn man davon ausgeht, dass bereits bei einer Rück- oder Vollgeschwisterverpaarung ein Inzuchtkoeffizient von 25% entsteht.

Wichtig hierfür ist aber vor allem eine gute Zuchttierauswahl. Bei falscher Auswahl an Zuchttieren verstärken sich nicht nur die in der Zucht erwünschten Rassemerkmale, sondern auch negative Eigenschaften, wie beispielsweise erbliche Zahnfehlstellungen oder Lethalfaktoren. Für das Gelingen einer gesunden Inzucht ist somit eine genaue und gewissenhafte Auswahl der Zuchttiere notwendig. Auch sollte man bereit sein, im Fall eines Auftretens erblicher Dispositionen, alle verwandten Zuchttiere aus der Zucht zu nehmen, um eine weitere Verbreitung der gesundheitsschädlichen Merkmale zu verhindern.

Der Zeitpunkt, ab dem eine Inzuchtdepression auftritt, scheint aber auch nicht ausschließlich von erblichen Faktoren abhängig. Der Anteil mit dem die Erblichkeit eines Merkmals (Heritabilitat) bestimmt wird, lasst sich durch positive Selektion beeinflussen.

Merkmale wie Körpergröße, die Leistungsfähigkeit des Immunsystems, die Fruchtbarkeit und damit auch die allgemeine Lebenserwartung scheinen allerdings zu großem Maß nicht erblich beeinflusst zu sein. Diese Eigenschaften sind schwer selektierbar und von einem hohen Maß an Heterozygotie abhängig. Vereinfacht gesagt verhalten sich die Merkmale entgegengesetzt der typischen Rassezuchtmerkmale.

Während sich Rassezuchtmerkmale mit einem erhöhten Homozygotiegrades verstärken, zeigen sich die oben erwähnten Merkmale dagegen eher bei erhöhtem Heterozygotiegrad verstärkt. Es ist daher bei Verpaarung zweier Individuen, die möglichst verschiedene Gene für die Fitness-Merkmale Körpergröße, Immunsystem und Fruchtbarkeit besitzen mit besonders leistungsfähigen, Fruchtbaren und frohwüchsigen Nachkommen zu rechnen.

Als Inzuchtdepression bezeichnet man nun den Rückgang der Fitness unter erhöhtem Inzuchtgrad. Inzucht alleine ist daher nicht erfolgreich. Wichtig ist, dass man sobald eine Inzuchtdepression auftritt umgehend handeln sollte. Auskreuzen oder Fremdzucht sind dann die naheliegendsten Wege aus der Depression heraus.

Fremdzucht hat dabei sehr große Nachteile, da sie die Heterozygotie in allen Merkmalen erhöht und daher zwar zu vitalen Nachkommen fuhrt, die aber in ihren erwünschten Rassemerkmale den Elterntieren nachstehen. Aus diesem Grund wird meist ausgekreuzt. Dabei stammt das fremdblutige Tier selbst aus einer ingezüchteten Linie und ist, wie die eigenen Tiere in den gewünschten Merkmalen stark homozygot. In allen anderen Erbanlagen ist es jedoch verschieden. So erzielt man Nachkommen, die in den Rassemerkmalen homozygot sind, aber in allen anderen Merkmalen stark heterozygot. Diese Nachkommen übertreffen somit meist die Eltern in allen ihren Eigenschaften.

GenerationInzuchtkoeffizientAhnenverlustkoeffizient
1 0.00%100%
2 + 25 % = 25%75.8%
3 + 12.5 % = 37.5 %64.52%
4 + 6.25 % = 43.75 %59.68%
5 + 3.125 % = 46.875%58.07%
6 + 1.56 % = 48.435 %58.07%
7 + 0.78 % = 49.215%58.07%

Quelle: https://www.wusv.org/fileadmin/Documents/Vortraege/Zucht/GENETISCHES_WISSEN_und_Zuchterfolg.pdf