Ziel

Das Ziel einer Inzucht ist die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit des homozygoten Auftretens von Extremen in beiden möglichen Richtungen. Solche Verpaarungen können gewünschte Merkmale einer Rasse stärker hervorheben, bergen aber ebenso Gefahren. Durch eine starke und/oder lange fortgesetzte Inzucht/Linienzucht wird einer Rasse auch Schaden zugefügt. Sie führt zu genetischer Verarmung und bringt auf Dauer Fehlbildungen, verminderte Leistungsfähigkeit, Unfruchtbarkeit, Welpensterben und ein vermehrtes Auftreten von Erbkrankheiten hervor.

Definition

Unter Inzucht ist im Allgemeinen die bevorzugte Paarung zwischen sehr nahen Blutsverwandten oder im speziellen die Kreuzung innerhalb genetisch möglichst reinrassiger Zuchtlinien zu verstehen.

Eine Verpaarung von Tieren, die näher miteinander verwandt sind als der Durchschnitt der Rasse, wird als Inzucht bezeichnet. So wie die Inzucht, wird also auch die Linienzucht definiert.

Kontrollierte Inzucht ist in der Rassezucht eine weit verbreitete Methode, Rassemerkmale zu festigen. Dabei erzielt man durch kontrollierte Verwandtschaftsverpaarungen schnell eine Reinerbigkeit rassetypischer Merkmale (Allele).

Bei der Linienzucht werden z.B. über mehrere Generationen Inzuchtlinien auf Einzelindividuen aufgebaut, indem Nachkommen aus Rückkreuzungen immer wieder auf ein bestimmtes Anfangsindividuum zurück verpaart werden. Diese Linien können dann erneut ohne Verlust der Reinerbigkeit mit anderen Inzuchtlinien gekreuzt werden. Die jeweiligen Anfangsindividuen können miteinander verwandt sein oder völlig fremdblütig. So haben sich im Laufe der Jahre Bestimmte Schemata in der Linienzucht eingebürgert.

Bei Hunden oder Katzen gibt es gesetzlich verbotene Verpaarungen, so sind meist nur sehr entfernte Verwandtschaftsverpaarungen erlaubt. Der Grund hierfür liegt bei den zahlreichen Gendefekten (bei Hunden 500 Erbkrankheiten), Lethalfaktoren und negativen Fitnessgenen.

Hier ein paar Zitate zum Thema Linienzucht aus verschiedenen Büchern über die Hundezucht:

  • Linienzucht ist eine Form der maßvollen und sinnvollen Inzucht, bei der die Zuchtpartner verwandt, aber nicht so eng verwandt sind wie bei der Inzestzucht.
  • Linienzucht ist eine abgeschwächte Verwandtschaftszucht, bei der die Zuchttiere innerhalb der engeren oder weiteren Verwandtschaft sorgfältig nach ihren Körper- und Wesensmerkmalen ausgewählt wurden.
  • Zwischen Inzucht und Linienzucht gibt es allenfalls einen graduellen, allerdings nicht näher definierten Unterschied. Danach stellt die Linienzucht eine höhergradige Form der Inzucht dar und dies lässt sich mit der Errechnung des Inzuchtkoeffizienten definieren.

Linienzucht bedeutet Inzucht, lediglich der Inzuchtkoeffizient (IK)* und der Ahnenverlustkoeffizient (AVK)* sagt uns, wie eng die Hunde gezüchtet sind. Aber Inzucht ist keine Inzestzucht!

Erbkrankheiten durch Inzucht

Bei der Inzucht sind auch häufiger Erbkrankheiten zu verzeichnen. Von diesen spricht man, wenn ein für den Stoffwechsel nötiges Gen einen Defekt aufweist. Durch diese zum Beispiel durch Mutation der Erbanlagen herbeigeführte Schädigung, kann das entsprechende Gen nicht mehr richtig funktionieren. Aber es gibt auch Hunde, die so ein geschädigtes Gen in sich tragen, ohne jedoch irgendwelche Auswirkungen auf Aussehen oder Gesundheit vorzuweisen. Das ist möglich, da hier zwei Paare des gleichen Gens vorhanden sind, und zwar sowohl ein intaktes als auch ein geschädigtes Gen. Dabei werden jedoch genügend Proteine vom funktionierenden Gen produziert, so dass hier das defekte Gen keinerlei Schaden anrichten kann. Eine solche Erbkrankheit, – denn auch wenn man nichts beim Hund bemerkt, liegt hier eine solche vor – wird rezessiv genannt.

Fatal wird das ganze erst, wenn bei der Inzucht zwei nahe verwandte Hunde diese rezessiven Eigenschaften besitzen. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 25%, dass Nachkommen solcher Elterntiere gleich zwei nicht funktionierende Gene enthalten. Hier übernimmt kein gesundes Gen die Porteinproduktion, die Erbkrankheit bricht aus, und wird bei den Nachkommen sichtbar. Nicht selten kann man auch beobachten, dass im genetischen Sinne reinerbige Hunde geringere Vitalität und Widerstandskraft gegenüber Krankheiten aufweisen. Als Grund kann hier gesehen werden, dass die genetische Information in beiden Chromosomensätzen gleich ist und dadurch weniger unterschiedliche Gene zum gegenseitigen Austausch vorhanden sind. Man nennt das auch umgekehrten Heterosis-Effekt.

Quelle: https://www.wusv.org/fileadmin/Documents/Vortraege/Zucht/GENETISCHES_WISSEN_und_Zuchterfolg.pdf und http://bergamaskerklub.ch/inzucht-und-ahnenverlust-ikavk/